Mach was du wirklich willst: Projekt „Design Thinking fürs Leben“

Das Buch „Mach, was du willst. Design Thinking fürs Leben“ von B. Burnett und D. Evans verbindet die Suche nach Orientierung mit Methoden aus dem Design Thinking.

Als eine Frau in meiner Kölner Madame Moneypenny-Gruppe das Buch vorschlug und Mitstreiterinnen suchte, habe ich zunächst nicht „hier“ gerufen. Eh schon so viele Projekte nebenbei, keine Zeit… Aber dann bin ich doch nochmal in mich gegangen.

Hatte ich mir nicht dieses Jahr gerade vorgenommen, zu schauen, wie es beruflich und privat weitergeht? So habe ich mich doch dafür entschieden und zusammen mit sechs anderen Moneypennys haben wir uns für 12 Wochen lang als „Orientierungslotsinnen“ zusammen gefunden.

Design Thinking – was ist das überhaupt?

Zunächst lernen wir, dass wir unser Problem, also Orientierungslosigkeit, genau verstehen müssen – und was Probleme mit Design zu tun haben. Denn: Designer lieben Probleme.

Erst wenn wir dem Problem gänzlich auf den Grund gegangen sind, so die Theorie, können wir überhaupt Ideen zur Lösung finden.

Es geht letztendlich beim Design Thinking darum, möglichst viele Ideen zu generieren, die schlechten auszusortieren und die guten möglicht schnell als Prototyp zu testen. So können wir schnell herausfinden, was für uns funktioniert und was eben nicht.

Hier die einzelnen Phasen, die wir über uns über die nächsten Wochen hinweg erarbeiten sollten.

Die sieben Orientierungslotsinnen

Wir Sieben fangen erstmal als lose Gruppe an mit „wir treffen uns erstmal bei einer zu Hause und können uns dann ja weiter online treffen“. Leckere Snacks gibt es, und jede Woche ein neues Kapitel. Da wir eben zu siebst sind, sind unsere zwei Stunden ein sportlicher Zeitrahmen.

Schnell stellen wir jedoch fest, dass uns die Gruppe wichtig ist. Dass wir uns immer besser kennen lernen, voneinander lernen und profitieren, einen geschützten Raum vorfinden, und vor allem: viel „Food for thought“ zum Nachdenken für die Woche haben.

Schnell stellen wir außerdem fest, dass uns die Gruppe so wichtig ist, dass wir dabei bleiben, uns jede Woche persönlich zu treffen. Selbst diejenigen, die im Urlaub sind, wollen „remote“ dabei sein.

Bestandsaufnahme: Das Armaturenbrett des Lebens

Zu allererst machen wir eine Bestandsaufnahme unseres Lebens mit dem sogenannten Armaturenbrett. Das Projekt bezieht sich übrigens nicht explizit auf die berufliche Weiterentwicklung, sondern es geht um einen ganzheitlichen Lebensansatz.

Dies ist also das Armaturenbrett meines Lebens zu Beginn der Projektes:

img_1338

Ich habe lange überlegt, ob ich „mein“ Armaturenbrett hier öffentlich machen soll, denn natürlich ist es persönlich und auch erklärungsbedüftig.

Liebe bezieht sich auf Partnerschaft, Familie, Freundschaften, aber auch Dinge und Tätigkeiten, die damit zusammenhängen. Ich habe meine Skala auf nicht einmal halb voll gesetzt, weil ich mir dafür nicht so viel Zeit nehme, wie ich gerne möchte.

Spiel sind Aktivitäten, die Freude bringen, und die wir um ihrer selbst willen betreiben. Auch hier nehme ich mir (zu) wenig Zeit.

Arbeit bezieht sich nicht nur auf bezahlte Arbeit (Karriere), sondern genauso auf ein Ehrenamt, auf Beratungstätigkeiten für Freunde oder für alles andere, das als Arbeit empfunden wird, wie z.B. Haushalt, Gartenarbeit, oder in meinem Fall Kochen.

Und last but not least, Gesundheit ist alles rund um den gesunden Körper, ein engagierter Verstand, Achtsamkeit, Ernährung oder Fitness.

Ansichten über Arbeit und ein sinnvolles Leben

Für mich ist das Armaturenbrett augenöffnend. Ich wünsche mir im Bereich „Liebe“ beispielsweise mehr qualitative Zeit mit meiner Partnerin. Dem entgegen ist der Bereich „Arbeit“ bei mir übervoll. Ein Ziel des Projektes ist für mich, das zu ändern.

Ich überlege kurz, was ich jetzt schon ändern kann und beschließe, im Herbst nicht wieder als Vereinsvorständin zu kandidieren – das Vorstandsamt macht mir zwar sehr viel Spaß und auch gibt mir auch Energie, lässt mir aber wenig Flexibilität, wenn ich meinen Anspruch nicht herunterschrauben möchte. Ich überlege mir stattdessen eine Alternative, die ähnliche Ziele verfolgt, aber mehr Raum und Flexibilität bietet.

Mir ist egal was ich mache… solange die Rahmenbedingungen stimmen!

Auch Kapitel 2 ist ein sehr intensiver Abend. Heute geht um die persönliche Reflexion darüber was Arbeit für uns ist und bedeutet sowie um unsere Sicht auf das Leben.

Hier kommen teilweise sehr unterschiedliche Ansätze heraus. Eine Erkenntnisse für mich ist zum Beispiel: Mir ist eigentlich egal, was ich arbeite, solange die Rahmenbedingungen stimmen.  Und zwar meine Rahmenbedingungen, wie Gehalt, Arbeitsumfeld, Arbeitsort und einiges mehr – nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge natürlich.

Arbeit ist ein Tauschgeschäft

Eine andere Erkenntnis in der Gruppe: Arbeit ist ein Tauschgeschäft. Geld gegen Freiheit. Eine Moneypenny hat beispielsweise ganz pragmatisch ihr Gehalt als den „gegenwärtigen Wechselkurs von Leistung und Vergütung“ definiert.

Wir gehen alle von beschwingt bis motiviert nach Hause, alle noch übervoll mit Gedanken. Es muss alles erstmal sacken, bevor wir uns als Hausaufgabe Gedanken machen können, ob es bei uns persönlich ein Spannungsfeld zwischen Arbeit und Leben gibt.

Orientierung verschaffen: wann bin ich engagiert, was gibt mir Energie?

Nun sind wir schon mittendrin in Woche 3, eine sehr spannende Woche. Denn wir sollten unseren Tagesablauf analysieren. Wann bin ich bei der Arbeit gelangweilt, ruhelos oder unzufrieden? Wann bin ich zufrieden, im Flow, fokussiert und voll bei der Sache?

Daraus ergibt sich für jede von uns eine persönliche Mindmap, über die wir uns gemeinsam austauschen. Wieder sind wir alle ein paar Schritte weiter in Richtung Erkenntnis.

Die Odysee des Lebens: drei verschiedene Lebensentwürfe erstellen

Die nächste spannende Aufgabe für uns ist, aus unseren bisherigen Erkenntnissen drei verschiedene Lebensentwürfe zu erstellen und unsere eigene Odyssee zu planen. Das „Odysee Planning Worksheet“ dazu kann man übrigens hier herunterladen.

Erstens: Wie wird mein Leben in den nächsten fünf Jahren weiter gehen, wenn ich so weiter mache wie bisher?

Zweitens: Was ist meine Handlungsalternative – was würde ich machen, wenn es meinen aktuellen Job nicht gäbe?

Und drittens: Was würde ich in den nächsten fünf Jahren machen, wenn Geld und Status keine Rollen spielten?

Verschiedene Lebensentwürfe bewerten

Verbunden damit sollen wir unseren Entwurf jeweils mit einem griffigen Titel versehen und uns drei Fragen überlegen, die wir uns bei diesem Lebensentwurf stellen.

Außerdem, uns dies ist wiederum eine spannende Übersicht: wir füllen die vier Barometer „Resources“ (Bringe ich das nötige Zeug dazu mit?), „I like it“ (Wie toll finde ich diesen Lebensentwurf?), „Confidence“ (Wie zuversichtlich bin ich, dass mich der Lebensentwurf glücklich macht?) und „Coherence“ (Wie kohärent ist der Lebensentwurf zu meinen Bedürfnissen und meinem Können?) aus. Gar nicht so einfach, aber es hilft tatsächlich dabei, Klarheit zu gewinnen.

Schwarmintelligenz nutzen und Ideen generieren

Nun, da wir schon ein paar Schritte weiter sind, geht es darum, unsere Schwarmintelligenz zu nutzen. Wir sollen ein jede ein Lebensmodell unserer Odyssee auswählen und eine Frage formulieren, z.B. „Wie viele Möglichkeiten fallen euch ein, Privatier oder Privatière zu werden?“ Das Ziel ist hier, dass jede Frau für sich weiß, was sie als Prototyp ausprobieren möchte.

Da wir alle sieben sehr unterschiedlich sind, kommen im Brainstorming tolle Ergebnisse heraus. Dafür nehmen wir uns viel Zeit – wir brauchen hierfür ganze vier Wochen für sieben Frauen!

Hier habe ich mich persönlich etwas schwer getan, eine passende Frage zu finden. Einige hatten sofort die passende Frage und konnten mit die Ergebnisse direkt umsetzen, bei anderen gestaltete sich das Brainstorming etwas schwieriger. Es spricht aber nichts dagegen, mehrere Brainstorming-Sessions zu machen. Auch wir selbst sollen viele Ideen für uns selbst generieren! Und wirklich: Irgendwann ergibt sich trotzdem ein passender Weg.

Sich für etwas entscheiden heißt auch sich gegen etwas zu entscheiden

Grob können wir unsere Gruppe in zwei Kategorien einteilen: Die einen sehen zu viele Möglichkeiten, die anderen sehen gar keine Möglichkeiten, in welche Richtung sie wollen.

Eine wichtige Erkenntnis für uns ist, wie wichtig es ist, mögliche Wege auszusortieren und sich festzulegen für einen Weg. So ein bisschen wie bei dem Marmeladen-Dilemma: Zu viele Geschmacksrichtungen führen dazu, dass wir gelähmt sind von all den Möglichkeiten und ohne Marmelade das Geschäft verlassen. Gibt es hingehen nur eine überschaubare Anzahl an Möglichkeiten, so fällt es uns leichter uns zu entscheiden. Das heißt aber auch, dass wir uns bewusst gegen bestimmte Wege entscheiden und für einen bestimmten Weg. Denn es gibt nicht den einen, richtigen Weg. Es gibt nur passende und unpassende Wege.

Es wird ernst: Prototypen testen

Als nächstes geht es an die erste Umsetzung – gemäß Design Thinking also erstmal ein Prototyp.

Prototypen können vieles sein: Angefangen bei der Schreibtisch-Recherche, Kuratieren, Workshop, Feldforschung, Hospitieren, Praktikum (mind. 1 Woche), Nebenbei-Projekt oder Sabbatical. Wichtig dabei ist, dass wir unbedingt eine physische Erfahrung machen sollen, also ausprobieren, wie sich unser Weg anfühlt. Und: mit möglichst vielen Menschen sprechen. Denn bekanntlich ist ja Wissen Macht.

Konkret: wenn wir bei dem Beispiel von oben bleiben und Privatière werden wollen und beim Brainstorming herauskommt, dass der schnellste Weg dahin ein eigenes Unternehmen ist, dann könnten Prototyp-Erfahrungen sein, dass wir zum einen mit Menschen sprechen, die dies bereits sind, und dass wir vielleicht ein Praktikum in einem Startup machen um zu erleben, wie es sich als junge Unternehmerin anfühlt.

Und nun?

Unser Projekt geht nun zu Ende, aber am Ende sind wir noch lange nicht. Wir haben als Gruppe beschlossen, dass wir uns weiterhin in regelmäßigen Abständen treffen und austauschen wollen. Ich bin will natürlich wissen, wie es mit den anderen weitergeht.

Und ich selbst? Beschäftige mich weiter mit den Themen Innovation, digitale Transformation und Diversity. Und bin selbst gespannt, wie es damit weiter geht….

2 Gedanken zu “Mach was du wirklich willst: Projekt „Design Thinking fürs Leben“

  1. Pingback: 4-Tage-Woche: Mein Erfahrungsbericht nach 6 Monaten – Finanzheldin.net

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s