Grüne Investments: So investiere ich nachhaltig

Eigentlich wollen wir doch alle nachhaltig investieren – wenn das nicht schon die Crux wäre: Nachhaltigkeit vs Investment scheint es zu heißen. Ich habe ich für mich recherchiert, es für Möglichkeiten gibt, und lasse euch daran teilhaben. Dabei steht und fällt die Auswahl mit einer Frage, die jede*r für sich persönlich beantworten muss: Was genau bedeutet Nachhaltigkeit für mich, und wie passt das für mich persönlich zusammen mit der Börse?

Was ist Nachhaltigkeit?

Zunächst einmal gibt es ganz verschiedene Aussprägungen von Nachhaltigkeit. Generell kann man sagen, dass Nachhaltigkeit auf zweierlei Art erreicht wird: entweder durch Ausschluss der Kriterien, die als nicht nachhaltig gelten, oder aber durch sorgfältige Auswahl nach definierten Kriterien.

Wichtig ist hier auch ein Blick auf den Index. Ist der nachhaltigere Index nur sozusagen ein Filter auf den Mutter-Index? Oder ist es, wie bei Nachhaltigkeit häufig der Fall, ein eigens zusammengestellter Index mit hübsch klingendem Namen, wie zB bei ÖkoDAX, über den ich später noch schreibe?

Einige Beispiele nachhaltiger ETFs: iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF, iShares MSCI, World ESG Screened UCITS ETF USD, BNP Paribas Easy MSCI EM ex Controversial Weapons UCIT ETF.

Die Abkürzungen stehen dabei für die Art der Nachhaltigkeit:

  • SRI = Socially Responsible Investments (Sozial verantwortliche Investments)
  • ESG Environment Social Governance (Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung)
  • Ex excluded (ausgenommen)

Erneuerbare Energien in Deutschland mit dem ÖkoDAX

Wer in Deutschland investieren möchte, für die oder den gibt es zunächst den ÖkoDAX. Dieser Index auf den DAX umfasst bis zu zehn Unternehmen aus der Branche der  erneuerbaren Energien. Die Performance lässt zum einen zu wünschen übrig. Zum anderen kann hier nicht sichergestellt werden, dass auch die Geschäftsmodell der entsprechenden Firmen nachhaltig sind. Ökologisch ist an diesem Index zunächst einmal nur der Name. Und zu guter Letzt: bei JustETF habe ich diesen Index nicht einmal mehr gefunden.

Für mich bedeutet das: besser die Finger davon lassen.

Es tut sich was in Deutschland…

Nachhaltige Produkte werden zwar auch in Deutschland immer beliebter – aber das Angebot ist doch noch recht mau. Aber es tut sich was… So berichtete das BMF (Bundesministerium der Finanzen) im Juni 2019, dass es derzeit gemeinsam mit dem BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) und in enger Abstimmung mit dem BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft  und Energie) eine „Sustainable Finance Strategie“ für Deutschland entwickelt. Wichtigste Zielsetzung sei, die Bundesregierung bei der Erarbeitung einer nationalen Sustainable Finance-Strategie zu beraten und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, „um den Finanz- und Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig zu stärken“. Erste Entwürfe einer Strategie sollen beim 3. Sustainable Finance-Gipfel am 16. Oktober 2019 öffentlich vorgestellt und diskutiert werden. (Quelle: bundesfinanzministerium.de/)

Wenn ich das ganze so lese, habe ich den Eindruck, dass Politik und Finanzbranche sich doch etwas schwer mit Nachhaltigkeit und der neuen grünen Welle tun. Wir dürfen jedenfalls gespannt sein.

Oder doch lieber in Europa investieren?

2018 wurde der Index „Stoxx Euro 600 ESG-X“ lanciert mit dem Ziel einer nachhaltigen Version eines der wichtigsten Leitindices und damit Benchmarks Europas, dem Stoxx Europe 600 Index, der die 600 liquidesten Large Cap, Mid Cap und Small Cap Unternehmen in 17 entwickellten Ländern abbildet. Bei der nachhaltigen Version kommen bestimmte Richtlinien des verantwortungsvollen Investierens zum Tragen, der bestimmte Unternehmen ausschließt wie z.B. kontroverse Waffen, Tabak oder

Kohle. Stoxx arbeitet hier zusammen mit dem ESG-Datenanbieter Sustainalytics. Unternehmen, die von Sustainalytics als nicht konform mit den Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen betrachtet werden – eine Reihe von Grundwerten in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsbekämpfung – sind damit ausgeschlossen. (Quelle: stoxx.com) Der nachhaltigere Index weißt eine ähnliche Performance wie der Mutterindex auf.

Allerdings lohnt auch hier ein genauer Blick in die einzelnen Positionen. Mit Nestlé als größtem Wert steckt auch hier der Teufel im Detail der Kriterien. Denn: Je größer die Konzerne, desto weniger wahrscheinlich Nachhaltigkeit

Weltweit investieren – aber bitte schön ohne Waffen

Wer lieber weltweit investieren möchte, für die oder den gibt es die Möglichkeit in den MSCI World ex. Controversion Weapons zu investieren. Dieser von der BNP Paribas ins Leben gerufene Index schließt umstrittene Waffen wie Chemiewaffen, biologische waffen, Streumonition, (Land)Minen, blendende Laserwaffen, Atomwaffen  und einige andere aus. (Quelle: BNP Paribas). Je mehr ich darüber lese, desto komplexer wird das Thema. Um es auf den Punkt zu bringen: Es schließt halt einige Waffen aus, andere wiederum nicht. Die Performance zum Vergleichsindex MSCI World ist auch um einiges schlecher.

Weltweit nachhaltig investieren

Eine weitere Möglichkeit bietet der World SRI. Der Anlageschwerpunkt verfolgt laut ishares einen nachhaltigen Ansatzes für weltweite Investitionen. Erstens, durch Erlangung von Zugriff auf die weltweiten Märkte mit Schwerpunkt auf den höchsten ESG-Bewertungen (umweltverträglich, sozial und staatlich). Und zweitens, ein diversifizierter Zugriff auf globale Märkte ohne Engagements in Unternehmen, die mit heftigen Kontroversen in Zusammenhang gebracht werden. (Quelle: ishares.com)

Der SRI Index bündelt die Unternehmen der Welt, die das höchste ESG-Ranking aufweisen. MSCI beschäftigt eine ganze Mannschaft an Analysten, die dieses Rating erarbeitet. Dabei greifen sie auf öffentlich verfügbare Informationen zurück, also zum Beispiel Geschäftsberichte oder Medienberichte. Umstrittene Branchen wie Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen, Atomkraft, Pornografie, Gentechnik werden ausgeschlossen.

Interessant, dass hier im Gegensatz zum Mutterindex die führenden Unternehmen aus dem Bereich IT wie z.B. Apple, Facebook, Google/Alphabet sowie Amazon nicht enthalten sind. Überraschend für mich: Die Rendite ist dadurch nicht unbedingt schlechter.

Weltweit investieren mit dem ÖkoWorld

Für mich persönlich die einzige wirklich Ausnahme bildet die 1995 gegründete Fondsgesellschaft Ökoworld. Die Verwaltungsgesellschaft, also die Fondsmanager, haben sich auf handverlesenen Positionen in ihren Fonds spezialisiert, wie z.B. dem Ökoworld Ökovision Classic, dem Ökoworld Klima oder dem Ökoworld Water for Life. Beim Ökoworld Classic sollen mit den verschiedenen Anlagekriterien nachhaltige Umwelt und sozialverträgliche Geschäftspraktiken von Unternehmen gefördert werden, z.B.  umwelt- und sozialverträgliche Technologien; sozial- und umweltverträgliche Produkte; Dienstleistungen, die Umwelt- und sozialverträgliches Wirtschaften
fördern. Zudem werden Unternehmen gefördert, wenn sie über die jeweiligen Standards der Branche, der Region oder des Landes hinausgehen.

Dieser Ansatz zeigt beim Ökoworld Classic seit Jahren eine sehr gute Performance – hier im Vergleich zum Vergleichsindex MCSCI World und den Kategorie-Durchschnitt (Aktien Ethik, Nachhaltigkeit). (Screenshot: Maria Kunz)

Ökoworld

Diese Form der Nachhaltigkeit kostet allerdings – sie schlägt mit gut 5 Prozent Ausgabenaufschlag zu Buche, was euch bei einem aktiv gemanageden Fonds eh immer bewusst sein sollte.

Thematisch nachhaltig investieren von Wasser bis Smart Cities

Auch die Schweizer Vermögensverwaltung Pictet schreibt sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne. Schon 2007 zeigten sie ihr Engagement für nachhaltige Anlagen durch die Unterzeichnung der UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (UN PRI).

Um für eine Anlage in Frage zu kommen, müssen sich bei Pictet Unternehmen sowohl auf finanzieller als auch auf nichtfinanzieller Ebene auszeichnen. Unternehmen, die auf Kosten der Aktionär*innen, Mitarbeiter*innen, Konsument*innen oder der Umwelt profitabel sind sowie Unternehmen, die zwar „grün“, aber finanziell unattraktiv sind, schließen sie nach Möglichkeit aus.

Pictet hat sich früh einen Namen gemacht, in dem sie auf sogenannte Megatrends, wie auch Nachhaltigkeit einer ist, gesetzt haben. Auch interessant: 2016 lancierte Pictet Mega – eine Online-Plattform rund um Megatrends und ihre möglichen Konsequenzen, mit Artikeln und Videos von führenden Expert*innen aus den Bereichen Technologie, Gesundheit, alternative Energie, Nachhaltigkeit und Landwirtschaft. (Quelle: group.pictet)

Seit 2000 gibt es den „Fonds Water“, seit 2007 den Fonds „Clean Energy“, um nur einige zu nennen. 2018 wurde der Fonds „Smart Cities“ lanciert. Der Vergleichsindex ist der MSCI World, die Performance ist beachtlich.

Wen der hohe Ausgabenaufschlag der gemanagten Fonds nicht schreckt, für den oder die ist dies vielleicht einen Blick ins Verkaufsprospekt wert.

Fazit: Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

Kommen wir zum Ausgangspunkt zurück… Was genau bedeutet Nachhaltigkeit für mich, und wie passt das für mich persönlich zusammen mit der Börse? Ehrlich gesagt, für mich persönlich ist wirklich nachhaltiges Investieren ein Ding der Unmöglichkeit.

Zwar verzichte ich im Alltag auf zuviel Plastik und Produkte von Nestlé, True Fruits oder Barilla, weil mir deren Geschäftspraktiken nicht passen oder sie sich irgendwann gegen Schwule und Lesben positioniert haben. Aber bei ETFs ist es quasi unmöglich, da Cherrypicking zu betreiben – zu viele Firmen, zu viele Kriterien. Und es kommt wirklich auf die einzelnen Kriterien an und was die Gesellschaften selbst unter Nachhaltigkeit verstehen und ob das zu euren eigenen Werten passt. Wenn überhaupt, dann würde ich persönlich hier auf aktiv gemanagete Fonds setzen.

Für mich persönlich habe ich allerdings beschlossen, dass das Thema Nachhaltigkeit und Gutes tun ein Alltagsthema ist und ich dafür zusätzlich etwas spende – mir war es dabei wichtig dass Spenden sich nicht auf meinen Lebensbereich bezieht sondern auf den in den Teilen der Welt, den wir mit unserem Lebensstil ausbeuten. Mit dieser Entscheidung fühle ich mich wohl – aber das muss jede*r für sich selbst entscheiden.

 

Foto: Thomas Verbruggen bei unsplash.com

3 Gedanken zu “Grüne Investments: So investiere ich nachhaltig

  1. Michaela Elschner

    Interessanter Artikel… Genau die Fragen habe ich mir teilweise auch schon gestellt.
    Ich bin dabei aber auch für mich zu dem Schluss gekommen, eher bei ETFs zu bleiben… die meisten anderen Anlagen sind mir eben auch nicht transparent genug.

    Generell finde ich die Idee mit „nachhaltigen ETFs“ interessant.

    Aber andererseits denke ich: Unternehmen werden vorrangig von der Nachfrageseite getrieben. Daher dürfte das, was wir mit unserem Konsum machen viel ausschlaggebender sein.

    Denn was nützt es einem Unternehmen, wenn es zwar an Kapital kommt, aber seine Produkte nicht los wird?

    Einzelaktien von Nestlé würde ich trotzdem nicht kaufen – aber eben deswegen, weil ich von dieser Firma und ihrem Geschäftsmodell nicht überzeugt bin – und eben hoffe, dass sich „nachhaltige“ Geschäftsmodelle langfristig durchsetzen,

    Ein ETF, in dem Nestlé mit drin ist?
    Würde ich kaufen… Denn, wie gesagt, was Nestlé mit dem Geld macht, bestimmt die Nachfrageseite.

    Wenn da der Druck groß genug wird, dann…
    a) ändert Nestlé irgendwann seine Firmenpolitik
    b) oder fliegt aus dem Index.

    Also alles gut, oder!?

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    1. Hallo Michaela, vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, ich halte es persönlich genauso… passe auf beim Konsum, vor allem bei Nestlé. Ich denke, das kann ich zumindest direkt beeinflussen. Hier übrigens ein interessanter Link, welche unternehmen da alles dazu gehören: https://utopia.de/ratgeber/nestle-marken-diese-produkte-gehoeren-zum-unternehmen/ Dass Firmen wie Nestlé ihre Firmenpolitik ändern, wage ich zu bezweifeln. Auch halte ich Nachhaltigkeit für ein Luxusthema, das viele Menschen sich leider einfach nicht leisten können. Ich finde Aufklärung daher wichtig – und Kommunikation an die Geschäfte, dass die bestimmte Marken oder Produkte zumindest auslisten.

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      1. Michaela Elschner

        Die Idee beim passiven Investieren ist ja gerade, sich einen großen Index auszusuchen, der breit gestreut ist. Die Zusammensetzung dieses Indexes muss aber ja eben nicht für alle Zeiten gleich bleiben. Im DAX gibt es ja auch regelmäßig Auf- und Absteiger.

        Wenn genug Druck da ist, gibt es auch Veränderung. Ob aus wirklicher Einsicht oder Opportunismus – das Ergebnis ist das gleiche.

        Betreiber von Braunkohlekraftwerken, die jetzt massiv in Ökostrom investieren; Wurstfabrikaten, die in vegetarische Produkte investieren, Softdrink-Hersteller, die in Heimsprudler investieren…

        Hier funktioniert der Kapitalismus ja auch manchmal in der richtigen Richtung 🙂

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