Die Crème de la Crème der LGBTs: eine LGBT+ Leadership Challenge mit Herz

Wie einige von euch vielleicht wissen, war ich vorige Woche bei einer Leadership Challenge. 100 queere Finalisten und Finalistinnen kamen in Berlin zusammen und stellten der Herausforderung, auf englisch Business-Pläne zu erstellen, 10 Jahre in die Zukunft zu schauen oder das gegnerische Team argumentativ in die Knie zu zwingen.

Organisiert wurde das Ganze mit viel Herzblut von RAHM, dem Team um den großartigen Stuart Cameron, den Ihr vielleicht als Organisator der queeren Karriere-Messe „Sticks & Stones“ kennt.

Das, was ich im Titel mit „Crème de la Crème“ bezeichnet habe, also RAHM, ist wie ich gelernt habe, übrigens kein Akronym, sondern bezeichnet tatsächlich das, was wir als Rahm oder Sahne kennen. Na dann: Yum! 😉

Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken

Ich bin am Vorabend in Berlin angekommen, da ich das abendlich Networking-Event nicht verpassen wollte. Ich habe mich also auf den Weg gemacht, quer durch die Stadt, um meine Mitstreiter*innen und die Jury-Mitglieder schon mal kennen zu lernen.

Sehr viele kamen direkt aus Berlin und ein paar anderen deutschen Städten, aber auch aus Großbritannien, Schweden, Indien und diversen Ländern. Eine bunt gemischte, tolle Truppe!

Ein lustiger Zufall war das Wiedersehen mit einem ehemaligen Kollegen aus Karlsruhe, mit dem ich vor 10 Jahren zusammen gearbeitet hatte. Die LGBT+ Welt ist doch ein Dorf!

Meine Erwartungen: Spaß, Inspiration, Feedback

Wie üblich bei gemischten LGBTIQ* Events waren wir verhältnismäßig wenige Frauen, und so standen wir  am Ende noch zusammen und philosophierten über unsere Erwartungen.

Ich selbst hatte tatsächlich erstmal wenigen Erwartungen, außer Spaß zu haben, inspirierende Menschen kennen zu lernen – und jede Menge Feedback zu bekommen.

Doch so inspirierend die Leute auch jetzt schon waren, irgendwann brummte mein Kopf von lauter Netzwerken, und ich sah zu dass ich ins Bett kam, um noch eine Mütze Schlaf zu bekommen und am nächsten Morgen zumindest einigermaßen fit zu sein.

Ein koffeinhaltiger Start in den Challenge-Tag

Der Challenge-Tag bei der Commerzbank startete zu meiner großen Erleichterung mit einer Stunde Netzwerken und Tee (es fühlt sich etwas komisch an, nun „Tee“ zu schreiben, seitdem ich keinen Kaffee mehr trinke…).

Hier lernte ich einige weitere Jury-Mitglieder kennen – das RAHM-Team hatte es geschafft, eine wirklich hochkarätige Jury, bestehend aus Vertreter*innen der Wirtschaft und Industrie mit langjähriger Leadership-Erfahrung zu gewinnen. Persönlich habe ich mich sehr gefreut, Eva Kreienkamp nun auch einmal persönlich kennen zu lernen, die als ehemaliges Wirtschaftsweib ein tolles lesbisches Vorbild ist und auch zu Recht in den Top 3 der Top Out Executives.

Achtung, fertig, los!

Stuart und Laura erklärten uns den Tagesablauf, und dann ging es auch schon los.

Es gab drei verschiedene Challenges. Für jede Challenge wurden wir in Gruppen eingeteilt und hatten eine Aufgabe zu lösen, die wir hinterher als Gruppe präsentieren sollten. Wir fanden uns also in unserem Raum zusammen und schauten erstmal, mit wem wir da so zusammenarbeiten. Ich hatte das Glück, schon einige vom Netzwerk-Abend vorher zu kennen – dennoch waren es so viele Teilnehmer*innen, dass alle zu kennen fast unmöglich war.

Na dann mal ran an die Aufgabe! Hier ging es nicht darum selbst zu glänzen, sondern die Gruppe als Ganzes voran zu bringen.

Crowd-Ranking und Speedfeedback

Bewertet wurden wir von den anderem nach Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe während der Vorbereitung, aber auch nach unserer Gruppen-Präsentation. Zum einen gab es ein Crowd-Ranking: so sollten wir selbst immer je drei Mitglieder unserer Gruppe wählen und mit Punkten bewerten. Außerdem gab es eine Speed-Feedbackrunde, wo wir selbst von jeder*jedem Teilnehmer*in und den Jurymitgliedern Feedback bekamen.

Dieses Feedback fand ich persönlich sehr wertvoll, da ich so ein gutes Feedback bekommen habe, wie ich nach außen wirke auch auf Menschen, die mich noch nicht kennen.

Ein Herz für die Introvertierten

Nach der ersten Challenge offenbarte Stuart uns, dass es für ihn als Introvertierten – man mag es kaum glauben, da er so gerne und viel spricht – nicht immer einfach sei in einer Welt, wo ist nur die Extrovertierten gehört werden. Und dass es ihm deswegen ein besonderes Anliegen sei, dass auch die Stillen und Leisen gehört und bewertet werden. Damit konnte ich mich sehr identifizieren.

Fokus auf Zusammenarbeit und Empathie

Unsere Challenges waren für sich anspruchsvoll, vor allem aufgrund der kurzen Zeit. Wir erstellten Businesspläne oder versuchten für in 10 Jahren vorauszuplanen. Bei einer Aufgabe sollten wir uns in verschiedene Standpunkte und Meinungen einer Firma hineindenken, die des „Pinkwashings“ bezichtigt war. Das Schwierige daran war, dass wir bis zur Präsentation nicht wussen, ob wir auf der Arbeitnehmer- oder der Arbeitgeber-Seite waren.

Eine wichtige Leadership-Fähigkeit, sich in verschiedene Sichtweisen und hineinzudenken und die andere Seite zu verstehen!

(Fast) allein unter Männern – und dennoch ein geschützter Raum

Positiv fand ich, dass es in den Gruppenarbeiten keine tatsächlich um das Miteinander ging und dass alle sich Mühe gaben, auf die Gruppe zu achten. Die Gruppen waren hier wirklich divers, Männer und Frauen, mit Mitgliedern aus verschiedenen Ländern, Branchen, Introvertierte und Extrovertiere. Das habe ich im Arbeitskontext, wo es meist sehr hetorogene Gruppen sind und ich häufig die einzige Frau bin, auch schon anders erlebt.

Hat nicht wirklich was damit zu tun, aber wenn wir denn schon „genderneutral“ sein wollen, dann bitte genau so. Schöne Idee, Team RAHM!

Eine tolle Gewinnerin

Am Ende des Tages wurden die Top 5 Finalist*innen verkündet, und hat mit Meike Imberg meiner Meinung nach eine sehr eine würdige Gewinnerin gefunden. Energiegeladen, eloquent und intelligent – herzlichen Glückwunsch und alles Gute, liebe Meike!

RAHM setzt sich für mehr Frauen und mehr Diversity  ein

Wie gesagt waren bei der Challenge etwas (ok, viel) weniger weibliche Nachwuchstalente als männliche. RAHM versucht dies aktiv zu ändern.

Daher an dieser Stelle auch ein persönlicher Aufruf an alle Frauen: Traut euch. Meldet euch an, habt Spaß, lasst euch inspirieren. Der nächste Contest startet wieder im nächsten Jahr.

Oder lasst euch nominieren als „Top Future LGBT+ Leader“ – eine neue Kategorie, die dieses Jahr für die Germany’s Top Out Executives Liste eingeführt wurde.

Ich habe persönlich jedenfalls sehr viel von diesem Tag für mich mitgenommen: Feedback, Inspiration und viel Motivation.

Eine großes Dankeschön an das Team um Stuart, mit Kat, Laura, Betrand und all den anderen für eine großartige Challenge und eine tollen Beitrag für die LGBT+ Community!

Und nun: Happy Pride!

 

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