Ziele erreichen: Ich stelle mich der Food-Challenge

Wie vielleicht einige von euch wissen, ist eines meiner Jahresziele – neben finanziellen Zielen – auch das Ziel, mehr Energie zu haben und mich körperlich wohler zu fühlen. Weil das „einfach“ nicht geklappt hat, hab ich es mal auf die radikale Tour probiert. Ein Erfahrungsbericht.

Ich bin das motiviert angegangen. Ich habe meine tolle „Ziel-Buddy“ Alexandra aus Hamburg, die ähnliche Ziele für dieses Jahr hat und mir der ich mich regelmäßig am Telefon austausche, und wir motivieren uns gegenseitig. Allerdings musste ich mir selbst nach einigen Monaten eingestehen: das reicht nicht und ich schaffe es mit konventionellen Methoden nicht abzunehmen. Zumindest nicht, wenn dieses Thema eines von vielen bei mir ist, das nebenbei herläuft.

Somit habe ich mich entschlossen, die recht radikale Food-Challenge „Raus aus der Lustfalle“ von Silke Rosenbusch mitzumachen: 3 Wochen vegan, glutenfrei, zuckerfrei, fettfrei, koffeinfrei, alkoholfrei. Ach ja, und keine verarbeiteten Lebensmittel. Was bleibt denn da noch übrig, werden Ihr vielleicht fragen. In der Tat, nicht so fürchterlich viel. Etwas verkürzt: Gemüse in allen Variationen, Hülsenfrüchte, Obst, glutenfreies Getreide sowie Kartoffeln. Gut war, dass Silke das als angehende Ärztin mit vielen medizinischen Hintergrund-Infos gespickt hat, sodass ich das „Warum“ immer gut nachvollziehen konnte.

Vor der Challenge: Wie schlimm können 3 Wochen schon sein…

Wie das bei mir manchmal so ist: grob gelesen, für zielführend befunden, angemeldet. Dann, einen Tag vorher, intensiver damit beschäftigt. Uff!

Ich bin sehr unbedarft an die Challenge herangegangen – was auf der anderen Seite auch gut ist, denn einfach machen funktioniert bei mir besser als ewig über eine Sache nachdenken. Zudem dachte ich mir, wie schlimm können 3 Wochen sein?!

Während der Challenge: Krasser Koffeinentzug und Aha-Erlebnisse

Wie schlimm das doch sein kann, davon bekam ich in den ersten 6 Tagen einen guten Eindruck. Nämlich in Form von jeden Abend Kopfschmerzen durch den Zucker- und Koffeinentzug. Tatsächlich hatte ich an Tag 5 einen kleinen Zusammenbruch, weil ich einfach nicht mehr konnte. Aufgeben war aber keine Option, und ich war wirklich froh, als die Kopfschmerzen nach einer Woche dann endlich weg waren. Dies war ein wirkliches Aha-Erlebnis für mich, denn ich dachte immer, dass ich sooo viel Koffein gar nicht trinke. Zucker ja schon, aber Kaffee… nun ja, also anscheinend doch.

Ansonsten hatte ich fast am meisten damit zu kämpfen, dass ich bisher nie viel Zeit für mich und das Thema Essen eingeplant hatte. Mehrmals die Woche einkaufen, Gemüse schnippeln, Soße zubereiten, Kochen… bei mir höchtens am Wochenende fürs Meal Prep (Vorkochen für die Woche und einfrieren). Das ging nun nicht mehr. Selbst unter der Woche wollte super gut geplant werden, was genau eingekauft wird. Jeden Abend die Tupperdosen für den nächsten Tag vorbereitet werden.

Auswärts essen war schwierig, aber tatsächlich geht mit ein bisschen Umdenken und guter Planung fast alles. Als ich einen Tag für eine Konferenz nach Berlin geflogen bin, habe ich Haferflocken und Banane dabei gehabt und ansonsten auf der Konferenz Rohkost bekommen.

Ein weiterer Punkt: ich habe einfach noch nie gerne gekocht. Ohne Rezept „einfach irgendwas zusammenschmeißen“ war für mich bisher undenkbar. In diesem Punkt hat die Challenge mir wirklich die Augen geöffnet. Dadurch dass das Angebot an Zutaten so überschaubar und abgesteckt ist, habe ich das gut hinbekommen. Es sind vielleicht keine Gourmet-Gerichte wie bei den anderen in unserer Challenge-WhatsApp-Gruppe, aber ich erweitere langsam aber stetig meinen Horizont…

Mein größtes Aha-Erlebnis war, dass ich während der kompletten Challenge nicht ein einziges Mal Lust auf Süßes hatte. Ich habe sehr viel Tee getrunken, und als ich einmal bei der Arbeit aus Versehen Brennesseltee mit Süßholzwurzel erwischt habe, hat das wirklich sehr süß geschmeckt. Ich hatte früher bereits einmal eine zuckerfreie Phase über mehrere Monate hinweg (bis es dann leider ins komplette Gegenteil gekippt ist), aber dieses Gefühl war mir wirklich neu. Ich hatte tatsächlich eher Lust auf salzig und crunchy, aber das war in den 3 Wochen halt nicht drin.

Am Ende der Challenge: Learnings und wie es nun weiter geht

Sicher hat es mir geholfen, dass ich vor etwa einem Jahr mich bereits intensiv mit dem Thema Meal Prep auseinandergesetzt hatte und bereits über ein Arsenal an Dosen sowie genügend Platz im Eisfach verfügte.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich die Challenge einfach maßlos unterschätzt hatte.

Ich dachte, es wäre eine verhältnismäßig ruhige und stressfreie Zeit bei mir. Wie voll doch mein Kalender während der 3 Wochen war mit abendlichen Vereins-Telkos und -Treffen, Finanz-Meetup organisieren, (erfolgreicher) Video-Bewerbung für einen Leadership-Contest, einer Taufe, einer Hochzeit, einer Nacht in der Notaufnahme plus besagter Konferenz, hab ich in Gänze erst am Ende richtig realisiert. Klar war einiges davon unvorhergesehen, dennoch war es einfach wirklich zuviel. Im Nachhinein ist mir jetzt klar, ich hätte meinen Kalender komplett leerräumen und meine Kolleg*innen vorwarnen sollen…

Ich werde nun versuchen, auch ohne die Challenge mir weniger Termine zu setzen und zusätzliche Zeit für das Thema essen einzuplanen. Außerdem muss ich noch einige Videos der Challenge nacharbeiten, denn diejenigen, die ich gesehen haben, waren wirklich hilfreich.

Ein weiterer wichtiger Punkt: ich bin meiner Partnerin sehr dankbar, dass sie das Ganze unterstützt hat und mich hat machen lassen. Wir essen auch sonst unter der Woche nicht zusammen, da ich mittags bei der Arbeit esse. Aber tatsächlich habe ich einige Male nun auch unter der Woche gekocht und dann mit ihr zusammen essen können. Das war schön und werden wir sicher auch in Zukunft wieder machen.

Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass ich mich bei der Arbeit mit vielen Kolleg*innen zu meiner Food-Challenge ausgetauscht habe, interessante Gespräche hatte und gute Tipps bekommen habe. In unserer Firma tatsächlich auch kein Ding, da gefühlt jede*r zweite vegan lebt oder sich in irgend einier Form bewusst ernährt (da nehme ich mal mein Team aus, wo es Currywurst-Dienstage und Gyros-Donnerstage gibt und Pizza 3-für-2 Gutscheine gefeiert werden). Auch unsere Challenge-WhatsApp-Gruppe war für mich hilfreich durch den Austausch und die Motivition, die mir die anderen gegeben haben.

Wenn ich aber eines gelernt habe, was mir nicht wirklich neu war aber was mir vielleicht einfach nochmal verdeutlicht werden musste: Eine dauerhafte Ernährungsumstellung kann eben nur dann gelingen, wenn ich mich dauerhaft und mich und das Thema essen kümmere und mir wirklich diese Zeit für mich und meine Gesundheit nehme.

Gemüse zum Frühstück beispielsweise konnte ich mir vorher nie vorstellen, aber das ist super. Ich werde also auf jeden Fall weiter machen, wenn auch nicht in dieser asketischen Form – also nicht vegan hw. vegetarisch – und mit Cheat Days dazwischen. Dann kann ich auch am Wochenende den morgentlichen Kaffee mit meiner Partnerin genießen.

Last but not least: 4 kg weniger!

Wir sollten uns während der Challenge nicht wiegen, aber ich war schon sehr glücklich über die 4 kg weniger nach 3 Wochen.

Mir ist klar, dass ich damit noch nicht an meinem Ziel angekommen bin und dass die Kilos auch fix wieder drauf sind, wenn ich meine Ernährung nicht dauerhaft umstelle. Aber: Ich muss auch keine Gourmet-Köchin werden und es ist OK dass ich nicht gerne koche. Nur wenn ich dauerhaft gesund leben möchte und meine Energie beibehalten möchte, dann geht das nur, wenn ich den Großteil meines Essens selbst zubereite.

Dazu habe ich jetzt ein paar gute Anregungen bekommen und Abläufe gelernt, dass das auch mit meinem Tagesablauf gelingen kann.

Ich bin jedenfalls sehr froh und dankbar, dass ich das geschafft und durchgezogen habe 💪🙋‍♀️

PS. Als nächstes werde ich mich dem Thema Schlafen widmen. Ich höre gerade das Hörbuch „Why we sleep“ dazu.

Bild: David Gurrola bei unsplash.com

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