Das Kinderdepot: nicht nur ein Geschenk zur Geburt oder Taufe

Ich werde immer wieder gefragt zum Thema Kinder und Depot. Oftmals ist bekannt, dass ein Sparbuch sich nicht lohnt, aber wie genau funktioniert das mit dem Kinder-Depot…? Dabei ist so ein ETF-Sparplan eigentlich das perfekte Geschenk zur Geburt oder zur Taufe.

Ich erzähle mal von mir selbst. Ich bin Tante zweier süßer Neffen N1 nun vier Jahre alt und N2 nun gerade mal einige Woche. Schon zu N1 hatte ich mir mit meiner Partnerin Gedanken gemacht, was wir zu Geburtstag und Weihnachten, was bei beiden Kindern auch noch nahezu zusammen fällt, schenken wollen. Schnell wurde mir klar, dass ich lieber die Geld-Tante sein möchte, da der erste Neffe als einziges Kind in der weiteren Familie mit Geschenken geradezu überhäuft wurde von Eltern und Omas und Paten und Patinnen. Somit stand meine Entscheidung fest: ein Kinderdepot sollte eingerichtet werden.

Da ein Kinderdepot zwingend von den Eltern eingerichtet werden muss und ich als Tante höchstens eine Bevollmächtigung haben kann (sofern beide Eltern einverstanden sind, dazu schreibe ich später etwas), wollte ich zunächst etwas Aufklärung betreiben. Mein Bruder und meine Schwägerin haben sich bisher nicht mit dem Thema auseinander gesetzt. So war mein Ziel nicht, sie zu bekehren, aber um das Depot zu eröffnen, sollten sie zumindest in groben Zügen verstehen. Ich würde für mein Kind auch nicht machen wollen, was ich nicht verstehe oder mit dem ich mich gar nicht beschäftigt habe.

Dazu haben ich einige Fragen und Antworten für die beiden zusammen gestellt.

Warum kein Tagesgeldkonto?

Weil das Geld auf dem Tagesgeldkonto nicht arbeitet. Die Zinsen liegen aktuell niedriger als unsere Inflationsrate, d.h. das Geld wird zwar mehr, ist aber de facto weniger wert. Daher eignet sich zum langfristigen Sparen nur eine Form, die mehr Rendite als ein Tagesgeldkonto bringt, das zum Sparen also nicht die geeignete Kontoform ist.

So eröffnen die Eltern des Kindes ein Depot

Die Eltern eröffnen das Depot auf den Namen des Kindes, beide müssen sich mit Post-Ident identifizieren. Heutzutage muss man dazu übrigens nicht zwingend das Haus verlassen – viele Banken bieten ein Verfahren per Video-Ident an.
Hier findet Ihr die Infos und die Unterlagen, wie und wo Ihr das Depot eröffnet (Finvesto). Ich selbst habe mich für Finvesto als Depot für meinen Neffen entschieden (und nicht für comdirect oder OnVista, wo ich meine Depots habe), weil man dort ETF-Sparpläne für kleinere Beträge anlegen kann und das Konto direkt für N1 ist. Finvesto hat Sparpläne auch jährlich, ab einer Sparrate von 10 Euro. Wichtig auch für mich: es gibt keine Kontoführungsgebühren für Minderjährige.

Wie sieht das mit der Vollmacht aus?

Eine Vollmacht kann ausgestellt werden für mich als Tante, muss aber nicht. Ich persönlich finde das hilfreich, damit ich den Sparplan ggf. anpassen kann und auch mal außer der Reihe etwas dazu geben kann. Alternativ ist es auch möglich, die Zugangsdaten weiter zu geben. Aber dies können die Eltern natürlich selbst entscheiden. Da ich keine Vollmacht auf das Depot meines Neffen besitze, überweise ich per Dauerauftrag jährlich eine bestimmte Summe in Höhe des Sparplans auf sein eigenes Konto. Der ETF-Sparplan muss über ein Formular erfolgen, da das Konto nicht Referenz-Konto ist. Das Referenz-Konto muss nämlich auf die Eltern laufen. Der Sparplan erfolgt dann über Lastschrift von dem Konto, alle 3 Monate mit z.B. 10 Euro.

Für welchen ETF soll man sich entscheiden?

Ich habe den Sparplan für N1 einrichten für den MSCI World (iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc), ISIN IE00B4L5Y983, WKN A0RPWH) – das sind Vierteljährlich z.B. 10 Euro (40 Euro pro Jahr über 15 Jahre sind dann 600 Euro plus Zinseszins). Für diesen speziellen ETF habe ich mich entschieden, weil er langfristig bestehen bleiben wird, aktuell kostenfrei bei Finvesto ist (eine TER bis maximal 0,5% hätte ich auch noch in Kauf genommen), thesaurierend ist (also seine ausschüttungen immer wieder von selbst reinvestiert) und der Index sehr breit streut (Welt). Natürlich funktioniert auch jeder andere ETF mit diesen Kriterien.

Warum genau ein ETF-Sparplan?

Kurz zusammengefasst: Ein ETF-Sparplan rentiert sich nur langfristig, da es kurzfristig immer Schwankungen gibt  – das ist ganz normal. Man sollte also nicht ständig reinschauen, aber man kann sich einmal im Jahr zusammensetzen und sich anschauen, wie das Depot sich entwickelt. Das lässt sich direkt im Depot machen oder auch anhand der WKN Nummer, anhand derer man im Internet den Kursverkauf ansehen kann. Alternativ kann man sich natürlich auch ein Musterdepot anlegen (quasi ein Depot mit Spielgeld) und dort den Sparplan nachstellen. Das geht z.B. bei comdirect oder bei justETF, die einem auch grafische Monatsübersichten per E-Mail schicken.

Wie und wann kommt das Kind an sein Geld?

Wenn das Kind alt genug ist, sollten wir mit ihm darüber sprechen, sodass er lernt und entweder selbst gespartes Geld anlegen kann oder eben mit 18 darauf zugreifen kann. Das Depot auflösen, d.h. die ETFs verkaufen, kann man theoretisch zu jedem Zeitpunkt. Wenn mein Neffe also mit 17 das Geld für den Führerschein benötigt, dann wäre das kein Problem. Mein Empfehlung wäre allerdings, den Sparplan trotzdem immer weiter laufen zu lassen und nicht an das Geld zu gehen. Aber das soll er dann gern für sich selbst entscheiden, wenn es soweit ist.

Foto: Alexander Dummer bei unsplash.com

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